Stuttgart Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 13.03.2002
"Soll ich einem Trottel die Hemden bügeln?"
VON UWE BOGEN

 

Die Schwulenwirtin Laura hilft nicht nur, wenn der frühere Visconti-Star Helmut Berger aus der Rolle fällt.

Horror! Wie scharf ihr r rollt, wenn´s um Helmut Berger geht. Ihren Gefährten, den früheren Visconti-Star, nennt sie nur Horror. Im Moment hat die Schwulenwirtin Laura Halding-Hoppenheit keine Zeit für ihn. Die impulsive Frau, die sich mit hochtoupiertem Rothaar und Kajalwucht über den Augen auch optisch nicht zurückhält, sagt es deutlich. Der 25. Geburtstag ihres Kings Clubs bereite doch so viel Arbeit. "Da habe ich Horror nach Rom geschickt.

 

 

 

"Gerade kann Laura - alle sagen nur ihren Vornamen - unmöglich Kindermädchen eines zuweilen heftig abstürzenden Weltstars sein. In der Nacht zuvor stand sie bis sieben Uhr an der Tür ihres Kellerclubs, weil sie "ab und zu selbst ausmisten will". Um elf ist Laura wieder da, um die Handwerker zu kontrollieren. Neue Polster, neuer Anstrich in ihrer Lieblingsfarbe Rot - der Kings Club soll an drei Feiertagen (vom morgigen Donnerstag bis Samstag) wie neu strahlen.

"Meine Kinder", vermutet Laura, "werden nicht merken, wie schön"s wieder ist." Die feiern so oder so. Aber die Wirtin mag es nicht, wenn zum Geburtstagsempfang Offizielle kommen, "und die denken, bei Schwulen ist"s schmuddelig". Wo sich die Rumänin ("ich bin selbst die perfekte Randgruppe") schon so lange mit ihrem Herzen und auch mit dem Bankkonto dafür einsetzt, das Image einer Minderheit zu verbessern.

Ihre Kinder! Die Szene, sagt Laura, ist ihre Familie. Für die Ehe sei sie nicht geschaffen. Nach drei Scheidungen sollte dies eine Frau wissen. "Ich werde von hunderten von Männern geliebt - wieso soll ich dann einem Trottel zu Hause die Hemden bügeln?"

Solche Zitate ist ihr Ex-Mann gewohnt. "Er hat es nicht leicht mit mir." Dabei kann sie dem Redaktionsleiter doch viel verdanken. Ohne ihn wäre die frühere Studentin der Kunstgeschichte nie nach Stuttgart gezogen. "Und ich liebe diese Stadt." Der Schauspieler Helmut Berger wohl auch. 1997 hat er Laura bei der Pompöös-Modenschau kennen gelernt. Eine sonderbare und chaotische Beziehung entwickelte sich.

Ist Laura seine Therapeutin? Seine Vertraute? Sein Blitzableiter? Von allem etwas.

So viel Zuwendung hat "Horror", die alternde Diva, wohl noch nie erlebt. Dankbar zeigt sich Berger trotzdem selten. "Zu Hause", sagt Laura, "ist er liebenswert." Doch der Gang nach draußen wird zum Horror. Es strengt an, wenn einer in der Vergangenheit lebt und überall Star sein muss. Wie oft hat Laura nach seinen Abstürzen gerettet, was zu retten war! Aus Bergers Plan, mit ihr ein Haus in Stuttgart zu suchen, wird nichts. Sie erträgt "Horror" nur "in Dosen".

Doch mit dem Schauspieler hat die Wirtin auch eine neue Welt kennen gelernt. Filmfestivals, Talk-Shows, Jetset - Berger will Laura überall dabei haben. Sogar in einem Film hat die Rumänin mit ihm gespielt. Im Sommer wird sie ihn zu Dreharbeiten nach Spanien begleiten. Doch je öfter sie mit dem Suchtkranken reist, desto mehr vermisst sie "ihre Kinder". Sie habe doch in Stuttgart so viel zu tun. Im Kampf gegen Aids etwa. Demos muss sie organisieren und Geld sammeln. Mit Sorge beobachtet die "Hexe" (so nennt sie sich selbst), wie unbekümmert vor allem die Jungen mit Aids umgehen. Viele Freunde hat sie durch diese Krankheit verloren - so viele, die bei der Eröffnung des Kings Clubs 1977 dabei waren.

Auch Laura war damals Gast. Kommilitonen hatten sie mitgenommen. "Da war die Szene versteckt, es gab keine Lichtreklame am Eingang." Rasch wusste sie, hier ist ihre Welt. "Hier sind Männer, die Frauen nicht unterdrücken." Erst Gast, dann an der Bar gejobbt - schließlich Chefin. 1989 hat sie den Kings Club übernommen und führt weitere Lokale. "Oft frage ich mich: Wie soll ich die Pacht zahlen?" Doch ihre Lokale sind ihr Leben. "Meine Kinder brauchen mich."

Die "Mutter der Schwulen" hat aber auch zwei leibliche Kinder. Kürzlich feierte Sohn Raoul, ein Jurist, Hochzeit im Fresko. Frühmorgens zog die Festgesellschaft in den Kings Club - zur Freude beider Seiten. Das Brautkleid der Schwiegertochter sei bei einigen Gästen sehr gut angekommen - bei anderen aber auch der Sohn. "Den würde ich auch heiraten", habe ein Tänzer gesagt. Doch Laura mahnte: "Finger weg!"

Andere Kinder wollen Zugführer werden. Als Raoul klein war, wollte er "schwul werden". Der Junge dachte, seiner Mutter damit eine Freude zu machen. Doch die entgegnete nur: "Du wirst so, wie du bist."

Und Laura will noch lange so bleiben, wie sie ist. "Ich mache weiter, bis ich 100 bin." Dann werde sie an der Tür des Kings Clubs mit dem Stock stehen. "Damit kriegt jeder, der mich genervt hat, eins drauf." Sollte Berger vorbeischauen, muss er aufpassen.

"Horror" kriegt garantiert was ab!