Top Magazin Stuttgart, Ausgabe Frühjahr 2007 Eine starke Frau Mutter der Schwulen, Sprachrohr für sozial Schwache und natürlich Chefin des Stuttgarter ?Kings Club?, seit jeher bundesweites In-Lokal der Schwulenszene: Laura Halding-Hoppenheit, von den meisten einfach nur Laura genannt, hat sich in ihrem Leben nie für den einfachen Weg entschieden. Mit umso mehr Power hat sie aber jede Schwierigkeit aus dem Weg geräumt. ?Mein ganzes Leben war ein Kampf, aber ein schöner und erfüllender Kampf?, sagt die Gastronomin zurückblickend. Ihr Motto bis heute: ?Ich halte für mich persönlich nichts von angehäuftem Kapital ? wenn ich habe, dann gebe ich auch.? Im Februar feierte die sozial angagierte gebürtige Rumänin mit 500 Gästen den 30-jährigen Geburtstag ihrer Diskothek.
Man muss sich das mal vorstellen: verheiratet, zwei Kinder, der Mann bei einem bekannten Verlag als Redakteur tätig, alles eher konservativ ? und keineswegs das passende Umfeld für eine Frau, deren Herz eigentlich für die Künstler- und Schwulenszene schlägt. Laura Halding-Hoppenheit als Hausmütterchen? Mitnichten.
In Bukarest hat Laura Archäologie und Kunstgeschichte studiert, ihr Examen legte sie in Hamburg ab ? eigentlich wollte sie in der Hansestadt auch noch promovieren. Doch dann lernte sie ihren zukünftigen Mann kennen, es folgten Hochzeit und berufsbedingt der Umzug nach Stuttgart. Kaum hier angekommen, zog es sie wieder in die Künstler- und Schwulenszene, in der sie als starke Frau bewundert und akzeptiert wurde. Besagtes Ende der Ehe war absehbar. Also nahm die gebürtige Rumänin nach fünf Jahren Ehe ihre Kinder und lebte von nun an ihr eigenes Leben. Das als Ausländerin damals keineswegs einfach, zumal in einem seinerzeit mehr als spießigen Stuttgart. Von der sogenannten feien Gesellschaft wurde sie mit ganz wenigen Ausnahmen geschnitten und diskriminiert ? doch das mobilisierte in ihr nur zusätzliche Kräfte.
Wo bei anderen Menschen in einer vergleichbaren Situation vielleicht der Absturz erfolgt, begann bei der heutigen Clubbetreiberin ein steiniger, aber erfolgreicher Aufstieg. Daran konnte auch die dreijährige Episode mit Helmut Berger nichts ändern. Von 1999 bis 2002 lebte sie mit dem österreichischen Filmstar in Stuttgart unter einem Dach. Eine Zeit, die sie heute nur noch mit einem Wort beschreibt: ?Horror?. Aufgrund seiner Trunksucht von 24 Stunden meistens nur zwei Stunden ansprechbar, erwies sich Berger als ?Enfant terrible?, wie es im Buche steht. Irgendwann war das Maß voll, Laura setzte ihn in einen Zug nach Salzburg, 21 Koffer kamen per UPS hinterher.
Doch zurück zu den Anfängen von Lauras Karriere. Um sich und die Kinder über Wasser zu halten, arbeitete sie nachts als Angestellte an der Bar des 1977 gegründeten Kings Club in der Calwer Straße. Und schon damals wusste sie:? Das ist mein Zuhause, daraus mache ich eine Institution.? Kein leichtes Unterfangen sicherlich, aber trotzdem bestens gemeistert. 1989 hat sie den Laden dann selbst übernommen. Daneben betreibt die Wirtin heute in Stuttgart auch Lauras Club in der Lautenschlager Straße sowie das Boots in der Heusteigstraße.
Wie ein roter Faden zieht sich der unbedingte Wille zum Helfen und Beschützen durch ihre Lebensgeschichte. ?Die Menschen wissen, dass ich sie liebe, ich ihnen eine kleine Welt biete und sie unterstütze, wo es nur geht.? Das wiederum ist freilich nur möglich, wenn man selbst einen starken Rückhalt erfährt. Durch die Gäste zum einen, zum anderen aber auch durch die Kinder. ?Meine Tochter und mein Sohn haben immer mit mir gekämpft, weswegen vielleicht auch sie ihr Leben bisher so erfolgreich gemeistert haben.? Beide Kinder waren auf der Merz-Schule und haben anschließend Jura studiert. Was zeig: Bildung hat nicht unbedingt etwas mit Geld zu tun. ?Wir konnten uns niemals viel leisten und waren nie im Urlaub, weil wichtiger war es mir, meinen Kindern den Besuch einer guten Schule zu ermöglichen.? Der Schulleiter Volker Merz habe sie in dieser Hinsicht sehr unterstützt und ihr immer viel Mut zugesprochen: ?Er hat verstanden, wofür ich mich einsetze.?
Von ihren Erfahrungen möchte Laura keine einzige missen. ?Ich konnte mich hier in Stuttgart entwickeln und habe hier nach den beschwerlichen Anfängen viel Hilfe erfahren.? Als Dank gibt sie viel Hilfe zurück ? etwa in Form ihrer eigenen Stiftung für kranke Kinder und Pflegekinder in Baden-Württemberg. Darüber hinaus sitzt sie im Vorstand des Lagaya-Vereins Stuttgart zur Hilfe suchtmittelabhängiger Frauen und engagiert sich für Schwule wie für Aidskranke, Mittellose und Randgruppen der Gesellschaft. Ihr ist es auch mit zu verdanken, dass die Schwulenbewegung in den vergangen Jahrzehnten eine große Befreiung erfahren hat und gesellschaftsfähig geworden ist. ?Ich glaube, es war immer meine Berufung, mich für andere Menschen einzusetzen.? Klar, dass der 30-jährige Geburtstag des Kings Club im Februar kräftig gefeiert wurde ? und das gleich drei Tage lang. Zahlreiche der 500 Gäste waren aus ganz Deutschland angereist, um die Party nicht zu verpassen ? und Laura auch auf diesem Weg für ihre geleistete Arbeit hochleben zu lassen. Als Geschenk mit dabei: keine Blumen, sondern Spenden für die Aids-Hilfe Stuttgart. Eine schöne Geste. Lauras Wunsch: die Szene auch in Zukunft zusammenzuhalten und für sie da zu sein.
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